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20.12.2012
 Glücklicherweise wird immer mehr Menschen klar, wie bedeutend die Architekturvermittlung an Kinder und Jugendliche ist. So wachsen bestehende Initiativen, neue entstehen. Gleichzeitig gibt es nach wie vor Probleme, die möglichst schnell gelöst werden sollten.

Text: Simone Hübener

Bereits seit mehr als zehn Jahren engagieren sich die Union internationale des Architectes, kurz UIA, die Bundesarchitektenkammer, einzelne Länderkammern, verschiedene Initiativen und Privatpersonen dafür, dass Kindern und Jugendlichen Grundkenntnisse in den Bereichen Architektur und Stadtplanung vermittelt werden. Dabei kann und soll es nie darum gehen, „kleine“ Architekten auszubilden, sondern die jungen Menschen zu unterstützen, auch im Bezug auf die gebaute Umwelt mündige Bürger zu werden, sich ein fundiertes Urteil über „gut“ oder „schlecht“ machen und bei Entscheidungen mitreden zu können. Deshalb spricht man beispielsweise in Finnland auch nicht von „Architektur macht Schule“, sondern von „citizens education“.

Im Laufe der Jahre wurde das Angebot immer breiter, die Zahl der Engagierten – seien es Architekten, Lehrer oder Mitarbeiter von Ministerien und Hochschulen – größer und die Akzeptanz in der Bevölkerung immer besser. Diese Entwicklung war bei der jüngsten Veranstaltung der Bundesarchitektenkammer in Kooperation mit der Architektenkammer Berlin und dem Haus der Kulturen der Welt, die diesem Thema gewidmet war und am 22. Oktober in Berlin stattgefunden hat, deutlich zu spüren. Allerdings hätte man sich mehr Teilnehmer gewünscht. Ziel war es laut des Programms, verschiedene Möglichkeiten der Architekturvermittlung für Kinder und Jugendliche zu zeigen und Anregungen zu geben, „wie Architektur auf ganz vielfältige Weise in den Lehrplan eingebunden werden kann“. Dazu hatte man Referenten verschiedener Organisationen und Institutionen geladen, allerdings leider keinen einzigen Lehrer.

Mit dem Stichwort „Lehrplan“ war im Programm gleich ein relevanter Punkt angesprochen. Denn Architektur lässt sich nicht nur im Kunstunterricht verankern, sondern auch in Fächern wie Geschichte, Geographie, Physik und Mathematik. Vor diesem Hintergrund sind auch die „Curricularen Bausteine für den Unterricht“ der Wüstenrot Stiftung entstanden, die auf deren Webseite (www.wuestenrot-stiftung.de) heruntergeladen werden können. Sie zeigen auf, wie vielfältig sich das Thema Baukultur in den Schulunterricht einfügen lässt. Diese Verknüpfung ist insbesondere deshalb nötig, damit die ganze Bandbreite aufgezeigt werden kann und ausreichend Zeit zur Verfügung steht. Denn engagierte Lehrer müssen aufgrund des starren Systems der Schulstunden Gleichgesinnte finden und gemeinsam mit ihnen ein Projekt ausarbeiten. Lehrer an Grundschulen haben den Vorteil, meist mehrere Fächer zu unterrichten, somit über mehr Zeit zu verfügen und diese individueller einteilen zu können. Gleichzeitig spielen die Vorgaben in den einzelnen Bundesländern eine zentrale Rolle. Denn hierbei reicht die Bandbreite von festen Lehrplänen für zahlreiche Fächer bis hin zur Variante, in der nur für die Kernfächer, wie Mathematik, Deutsch und Englisch, genaue Vorgaben gemacht und für die restlichen Fächer lediglich die Kompetenzen festgelegt werden, welche die Lernenden am Ende des jeweiligen Schuljahres vorweisen müssen. (Eine zentrale Sammlung der Lehrpläne der Länder für die allgemeinbildenden Schulen finden sich auf folgender Webseite: http://db.kmk.org/lehrplan/.)

Nicht mehr, nur anders

Da die Lehrpläne in ganz Deutschland chronisch überfüllt sind, ist es wichtig, die Auseinandersetzung mit der gebauten Umwelt in verschiedene Fächer zu integrieren und damit Kompetenzen zu vermitteln, die sowieso auf der Tagesordnung stehen. Dies kommt auch den Schülern zugute, die meist besser und einfacher lernen, wenn Lehrinhalte in verschiedenen Bereichen vermittelt und Fächer miteinander verknüpft werden.

Mit diesem Ansatz arbeitet auch das Lehrernetzwerk „Architektur und Schule“ der Landesarbeitsgemeinschaft Bayern (siehe: www.architektur-und-schule.org), das der Architekt Jan Weber-Ebnet stellvertretend für die derzeit rund 50 engagierten Lehrer und Architekten vorgestellt hat. Sie veranstalten regelmäßig Architekturprojekte an Schulen aller Arten, entwickeln Materialien und Methoden für den Unterricht und sind auch im Bereich der Fortbildung von Lehrern aktiv. Aus einer solchen heraus – damals vom Bayerischen Kultusministerium und der Bayerische Architektenkammer veranstaltet – hat sich das Netzwerk seit 2008 entwickelt. Wie erfolgreich die Arbeit ist, lässt sich auch daran ablesen, dass die Jury der UIA Architecture & Children Golden Cubes Awards 2011 diese Initiative zum Gewinner in der Kategorie „Schule“ gekürt hat. Die wichtigsten Handlungsfelder liegen im Bereich Wohnen, Schulhaus und Unterrichtsräume, Räume für Jugendliche, Städtebau und integrierte Stadtentwicklung sowie nachhaltiges Bauen. Bei der Umsetzung der Projekte stoßen die Beteiligten auf das bereits erwähnte Problem der 45-Minuten-Blöcke, die sich wenig für eine umfangreichere Projektarbeit eignen. Weber-Ebnet hat die Erfahrung gemacht, dass sich – zumindest in Bayern – die Struktur an Hauptschulen besonders eignet. „Diese stecken erstens in einem nicht ganz so engen Korsett, zweitens wird dort viel Wert auf außerschulische Kompetenzen gelegt und drittens sind sie oftmals besser mit Werkstätten ausgestattet als beispielsweise Realschulen oder Gymnasien.“ In letzteren bietet das sogenannte Praxisseminar in der 11. Klasse die Chance, ein architektonisches Projekt zu realisieren. Da dieses immer sechs Monate dauert, ist auch die Zeitspanne zwischen Anfang und Ende nicht zu groß. Denn, so Weber-Ebnet, die Kinder und Jugendlichen müssen über den kompletten Zeitraum bei der Stange gehalten werden; ein nicht zu unterschätzender Faktor.

Dies bestätigt auch Hannes Hubrich, der sich als Dozent an der Bauhaus-Universität Weimar um die Architekturvermittlung in der Kunsterzieherausbildung kümmert. Durch diese Lehrveranstaltungen und Seminare werden die künftigen Lehrer bereits im Vorfeld ihrer Tätigkeit mit dem Thema vertraut gemacht, für architektonische Thematiken sensibilisiert und ihnen wird die Scheu davor genommen, sich gemeinsam mit ihren Schülern über die gebaute Umwelt Gedanken zu machen. Denn bis dato hatten die Planer das architektonische Fachwissen, die Lehrer die notwendigen pädagogischen Kompetenzen. Mittlerweile haben nicht nur die Lehramtsstudenten Freude an diesem Thema gefunden, denn es entscheiden sich auch immer mehr Architekten für Hubrichs Angebot – eine Zusammenarbeit, die für alle Beteiligten äußerst positiv ist.

Zusammenhänge erkennen

Am Anfang der Auseinandersetzung mit Architektur steht immer die Frage, was diese denn eigentlich ist, wie Umwelt, Architektur und Mensch zusammenhängen. Und wie sie sich gegenseitig beeinflussen. Um darauf Antworten zu finden muss man erkunden und untersuchen, um dann erkennen zu können. Von „Beratung statt Belehrung“ spricht deshalb Ralf Fleckenstein vom Verein JAS – Jugend Architektur Stadt e.V. (www.jugend-architektur-stadt.de). „Selbstverständlich ist es wichtig, Wissen zu vermitteln. Doch für uns steht es im Vordergrund, dass die Teilnehmer unserer Veranstaltungen in die Lage versetzt werden, einen eigenen Standpunkt und eine eigene Haltung einzunehmen, eine Idee zu entwickeln und diese dann umzusetzen.“

Dass dieses Erkennen und Verstehen manchmal sehr schwierig sein kann, lehrt die Erfahrung, die Barbara Wenzel, Professorin am Seminar für Kunst und Kunstwissenschaft der Technischen Universität Dortmund, gemacht hat. Schüler vernetzen die Bilder, die ihnen in den Schulbüchern präsentiert werden, nicht mit dem Stadtraum. Sie erkennen die gesehenen Orte in der Realität nicht wieder. Das liegt zum einen daran, dass die Perspektive, aus der die „perfekten“ gedruckten Bilder aufgenommen wurden, sich nicht mit dem Blickwinkel der Kinder und Jugendlichen deckt. Zum anderen legen sie auf andere Details wert. Diese Auseinandersetzung mit der eigenen Umgebung, dem eigenen Stadtteil lässt sich insbesondere mit Grundschülern dadurch fördern, dass sie beispielsweise eine Karte ihres Schulwegs zeichnen. Mit dieser Aufgabe werden sie dazu ermutigt, über das nachzudenken, was sie jeden Tag sehen und oft unbewusst wahrnehmen.

Bei all diesen Projekten muss darauf geachtet werden, dass nicht nur die interessierten Schüler profitieren, sondern alle – auch unabhängig davon, ob sie von ihren Eltern unterstützt werden oder nicht. Damit gelangt man wieder an den bereits erwähnten Punkt, dass Architektur wirklich Schule machen und dort verankert werden muss.

Darauf zielt auch der „Treffpunkt Schule“ des Treffpunkts Architektur Niederbayern und Oberpfalz ab (siehe www.schule.tano.de), der von Silke Bausenwein, Architektin und Ansprechpartnerin des Treffpunkts Schule, initiiert worden ist. Er ruft Architekten und Lehrer dazu auf, „selbst aktiv zu werden und am eigenen Standort, an der eigenen Schule Architekturprojekte mit Schülern durch zu führen […].“ Damit nicht jeder interessierte Lehrer das Rad neu erfinden muss, bietet die Webseite u.a. eine umfangreiche Datenbank mit bereits realisierten Projekten. Und auch so wichtige, wie oft ungeliebte Dinge wie Muster von verschiedenen Verträgen können heruntergeladen werden.

Das neue Pilotprojekt der Architektenkammer des Saarlandes in Kooperation mit der Wüstenrot Stiftung, dem Ministerium für Bildung und Kultur sowie dem Landesinstitut für Pädagogik und Medien (LPM) knüpft ebenfalls an die Forderung an, Architekturvermittlung fest und dauerhaft im Unterricht zu verankern. Mit dem Schuljahr 2012/2013 starteten an zwölf saarländischen Schulen lehrplanbegleitend 14 Projekte zu den Themen Architektur und Baukultur. Ohne zusätzliche Stunden und Fächer binden die beteiligten Lehrer, Architekten, Landschafts- und Innenarchitekten die Thematik nun ein halbes Jahr lang in den Unterricht ein. Eine Ausstellung wird das Projekt abschließen.

Dass sichtbare und präsentierbare Ergebnisse bei all diesen Workshops, Projekten und Seminaren für die Kinder und Jugendlichen einen großen Stellenwert haben, wurde auch bei der bereits erwähnten Veranstaltung der Bundesarchitektenkammer (kurz: BAK) deutlich. Zum Ausklang stellten die Schüler der Marcel-Breuer-Schule Berlin, die am Projekt „minimal – illegal“ der BAK, der Architektenkammer Berlin und des Hauses der Kulturen der Welt, teilgenommen hatten, etwas schüchtern und zugleich sichtlich stolz ihre Bauwerke vor. Mit viel Engagement und tiefgehenden Überlegungen haben sie Hütten für die Bewohner von Slums entworfen und realisiert. Ihnen standen dazu lediglich die Materialien zur Verfügung, die bei Ausstellungen im Haus der Kulturen der Welt übrig geblieben waren. Diese reichten von Dachlatten über Plastikplanen bis hin zu Obstkisten. Die Ergebnisse beeindruckten und zeigten einmal mehr, dass es sich lohnt, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen und auch künftig Zeit und Energie in die Architekturvermittlung an Kinder und Jugendliche zu investieren.

 

Simone Hübener ist Fachjournalistin für Architektur und Bauen in Stuttgart. Mehr zu Frau Hübener finden Sie auf >>ihrer Webseite.

Informationen über die Workhops und Fotos finden Sie >>hier.

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